Sophia Genetics: weltweit führend in datenbasierter Medizin

Durch die Digitalisierung lässt sich die DNA eines Menschen heute schnell und kostengünstig aufschlüsseln. Das Westschweizer Start-up Sophia Genetics analysiert diese Daten für Labors und Spitäler und kann personalisierte Diagnosen stellen. Diese werden immer genauer, weil die Algorithmen von Sophia Genetics lernfähig sind und das Prinzip der kollektiven Intelligenz nutzen.

Die Entwicklung von Sophia Genetics ist eindrücklich. 2011 von Jurgi Camblong, Pierre Hutter und Lars Steinmetz gegründet, beschäftigt das Unternehmen heute rund 120 Mitarbeitende. Die Firma begann Ende 2011 mit dem Start-up Coaching der KTI, erhielt Ende 2013 das CTI Start-up Label, hat zwei F&E-Projekte abgeschlossen, ein weiteres ist in Umsetzung. „Die KTI hat für Sophia Genetics eine Schlüsselrolle gespielt“, so CEO Camblong. Der aus dem Baskenland stammende Unternehmer und sein Team haben den Nerv der Zeit getroffen; sie nutzen das riesige Potential, das Big Data für die Medizin bereithält. „Da ist eine Revolution im Gange“, hält er treffend fest.

Begleitet wurde das Unternehmen, welches vom Start-up zum KMU geworden ist, von CTI Start-up Coach Reto Hartmann. „Jurgi hat die Fähigkeit, mir zu zuzuhören, die Hinweise anzunehmen, zu analysieren und schlussendlich selber zu entscheiden.“, so Hartmann. Dies sei entscheidend, gelinge nur, wenn zwischen dem Unternehmen und dem Coach Vertrauen besteht.

Portrait Jurgi Camblong.PNG
Jurgi Camblong, Co-Founder und heutiger CEO von Sophia Genetics.

Der Schlüssel: Intelligente Algorithmen

Dank neuartiger Verfahren („next generation sequencing“) kann der Erbgut-Code eines Menschen heute in nur 15 Minuten abgelesen und festgehalten („sequenziert“) werden. Mehr und mehr Gen-Informationen liegen in elektronischer Form vor. Diese riesige Informationsmenge durch Menschenhand zu sichten und zu analysieren ist praktisch unmöglich. Intelligente Computer-Algorithmen können Unmengen von Daten in kurzer Zeit durchforsten und Muster und Unregelmässigkeiten erkennen. Unregelmässigkeiten in der Form eines mutierten Gens beispielsweise, welches für die Entwicklung eines Tumors verantwortlich ist. „Die Algorithmen können zwar analysieren, für das Interpretieren ist der Mensch aber unablässig“, so Camblong.

Analyse und Auswertung von Daten

Die Kunden loggen sich in die Software-Anwendung namens „Sophia DDM®“ ein und übermitteln die rohen DNA-Daten in verschlüsselter und anonymisierter Form an Sophia Genetics. Diese werden analysiert und der Auftraggeber erhält eine Auswertung mit einer Visualisierung der Resultate. Mit jedem neuen DNA-Profil, das von Sophia Genetics analysiert wird, wächst das kollektive Wissen, die Algorithmen lernen dazu und können dadurch präzisere Diagnosen stellen. „180 Spitäler aus 32 Länder nutzen heute unser System, welches inzwischen die Daten von 60‘000 Patienten analysiert hat.“, erzählt Camblong. Die Technologie für die Anonymisierung, Verschlüsselung und Visualisierung der DNA-Daten wurde im Rahmen zweier F&E-Projekte gemeinsam mit den Bioinformatikern und Computerspezialisten der EPFL entwickelt. In einem laufenden Projekt mit dem Swiss Institute of Bioinformatics SIB werden die Fähigkeiten von Sophia DDM® weiter ausgebaut.

Sophia_DDM_Screenshot
In Sophia DDM können Patientendossiers angelegt und die Analyse-Resultate im Detail betrachtet werden.

Enorme Entwicklung innerhalb weniger Jahre

„Ich kenne nichts, was eine ähnliche Entwicklung durchgemacht hat. Höchstens vielleicht das Internet.“ Jurgi Camblong spricht von der DNA-Analyse. Die allererste Entschlüsselung eines vollständigen Erbgut-Codes eines Menschen dauerte 13 Jahre („The human genome project“, 1990 – 2003) und kostete 3 Milliarden Dollar. 2007 war die Sequenzierung noch eine Frage von Wochen und kostete ungefähr 100‘000 Dollar. 2013 konnte sie für 3‘000 Dollar in einem einzelnen Tag vollzogen werden. Heute stehen wir bei weniger als einer Stunde und irgendwo unter 1‘000 Dollar. „Es ist kaum zu glauben, wie sich die Dinge entwickelt haben. Wir stehen erst ganz am Anfang der Big Data-Ära. Wir können uns noch gar nicht vorstellen, wohin die Reise noch gehen wird.“, schätzt Hartmann.

„Die Zukunft sieht für uns auf jeden Fall vielversprechend aus.“, hielt Camblong Ende September im Westschweizer Radio RTS zufrieden fest. Und er wagte einen Blick in die Zukunft, die ambitiös wirken mag, für Camblong aber ein realistisches Szenario ist: „Bis in fünf bis zehn Jahren könnte der Krebs zu einer chronischen Krankheit werden.“

Weiterführende Informationen

Letzte Änderung 17.10.2016

Zum Seitenanfang

https://www.kti.admin.ch/content/kti/de/home/ueber-uns/nsb-news/weitere-news/sophiagenetics.html